Dr. med. Bernd Hontschik

 

 

 

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Dr. med. Max Kirschner (1886-1975)

 

München - Frankfurt - San Rafael

 

Dr. med. Max Kirschner selbst habe ich nie kennenlernen können.

Er hat - geboren in München - als Arzt in Frankfurt am Main gearbeitet und musste 1939 mit seiner Familie über London in die USA fliehen, um dem Terror der Nationalsozialisten zu entkommen.

Er war danach nie wieder in Deutschland.

1995 habe ich seinen Sohn Fred Kirschner (geb. 1919 in Frankfurt am Main, gest. 2006 in San Rafael/Kalifornien) kennengelernt, der sich zusammen mit anderen vertriebenen und geflohenen ehemaligen Frankfurter Juden auf Einladung des Magistrats in der Stadt befand. Er wurde während dieses Aufenthalts krank, und ich musste ihn operieren. Aus diesem Zusammentreffen ist eine Freundschaft zwischen unseren Familien geworden.

Fred Kirschner hat mir während eines Besuchs in Kalifornien 1998 die in englischer Sprache geschriebenen Lebenserinnerungen seines Vaters überlassen, um hier in Deutschland nach einer sinnvollen Verwendung und Veröffentlichung zu suchen. Nach dem Studium dieses Textes, seiner Übersetzung ins Deutsche durch Ebba Drolshagen und dem Lektorat von Rainer Weiss ist nun ein Buch daraus geworden, das im September 2004 im Jüdischen Verlag im Suhrkamp Verlag erschienen ist.

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Die Geschichte unserer Freundschaft und der Entstehung dieses Buches habe ich in einem Nachwort (pdf-Datei, 108 kb) an den Text von Max Kirschner anfügen können.

Am 30. Juni 2005 hat der Ortsbeirat 8 in Frankfurt am Main den einstimmigen Beschluß gefaßt, eine der nächsten möglichen Straßenbenennungen in diesem Stadtteil als "Dr.-Max-Kirschner-Straße" vorzunehmen, worüber auch die Frankfurter Rundschau am 15.7.2005 und die Frankfurter Neue Presse am 26.8.2005 ausführlich berichteten.

Am 17. Februar 2006 hat der Ortsbeirat 8 erneut einen einstimmigen Beschluß gefaßt: die definitive Benennung der Verbindung zwischen den jetzigen Sackgassenenden am Ende der Heddernheimer Landstraße und der Ludwig-Reinheimer-Straße (Erschließungsstraße des geplanten Wohngebietes am Urselbach in Höhe Kleintierzuchtanlage) als "Max-Kirschner-Weg".

Die Benennung ist durch die Veröffentlichung des entsprechenden Magistratsbeschlusses im Amtsblatt der Stadt Frankfurt am Main Nr. 17, 137. Jhg., Seite 510 vom 25. April 2006 in das amtliche Straßenverzeichnis aufgenommen worden.

Das Straßenschild wurde Anfang Juli 2008 angebracht.

Am 11. September 2008 hat dort eine kleine Feier stattgefunden, zu der mehr als zehn Nachkommen von Max Kirschner aus den USA und Großbritannien angereist waren. Den musikalischen Rahmen stellte der Cellist Frank Wolff her, es sprachen die Bürgermeisterin Jutta Ebeling und der Ortsvorsteher Klaus Nattrodt.
Die Frankfurter Neue Presse (13.9.2008 - 69 kB) und die Frankfurter Rundschau (12.9.2008 - 710 kB und 13.9.2008 - 523 kB ) berichteten darüber.

Inzwischen ist dieser Weg auch beleuchtet.

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Max Kirschner

Weinen hat seine Zeit und Lachen hat seine Zeit - Erinnerungen aus zwei Welten

Max Kirschner ist ein deutscher Jude, geboren und aufgewachsen um die Jahrhundertwende in München; er dient »seinem Vaterland« als Sanitätsoffizier im Ersten Weltkrieg, wofür ihm das Eiserne Kreuz verliehen wird, das er mit Stolz trägt; arbeitet lange Jahre als Arzt in Frankfurt am Main – bis der Nationalsozialismus auch dieses Leben von Grund auf verändert: Dem Entzug der Approbation folgt der Transport ins Konzentrationslager Buchenwald, der Verlust allen Eigentums, aller sozialen Wurzeln. Kirschner flieht mit seiner Familie nach England, emigriert in die Vereinigten Staaten. Dort beginnt er mit über 50 Jahren noch einmal von vorn, studiert noch einmal, erhält die neue Staatsbürgerschaft, baut eine Praxis auf und lernt dort endlich wieder das Glück des Lebens kennen – mit seinen Kindern und vielen Enkeln. Max Kirschner ist nie wieder nach Deutschland zurückgekommen, und seine Erinnerungen hat er in englischer Sprache geschrieben. Weinen hat seine Zeit und Lachen hat seine Zeit ist ein ergreifendes Dokument, ein einfacher, auf jede Ausschmückung verzichtender Blick auf eine Existenz, die eine jüdische, deutsche und amerikanische war, ein Bericht, der von der Kraft eines Mannes erzählt, der sich sein Leben nicht nehmen ließ. Das Manuskript dieser Erinnerungen gab mir Fred Kirschner, Max Kirschners Sohn, nachdem aus Anlaß und während einer chirurgischen Behandlung eine tiefe Freundschaft zwischen uns entstanden war. Ich vertraute es dem Jüdischen Verlag an.
Dr. Bernd Hontschik

Max Kirschner: Weinen hat seine Zeit und Lachen hat seine Zeit - Erinnerungen aus zwei Welten. Aus dem Amerikanischen von Ebba Drolshagen. Mit einem Nachwort von Bernd Hontschik. 279 Seiten. Gebunden, 19,80 (D) / € 20,40 (A) / Fr. 35.80. September 2004, ISBN 3-633-54213-2 Jüdischer Verlag

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